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tutorials · 6 min Lesezeit

OpenClaw Tutorial Teil 6: Workspace einrichten (SOUL.md, MEMORY.md & Co)

Praxis-Leitfaden: SOUL.md für Identität, MEMORY.md für Wissensbasis – konfiguriere Persönlichkeit und Gedächtnis deines OpenClaw-Agenten.

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📚 Serie: OpenClaw installieren & einrichten — Teil 6 von 8
← Teil 5: Skills & Tools erweitern

Nach der Installation, der Modellkonfiguration und dem Hinzufügen von Skills geht es nun an den Kern von OpenClaw: die Personalisierung und das Gedächtnis des Agenten. In diesem Teil der Serie sehen wir uns an, wie der Workspace mit Dateien wie SOUL.md und MEMORY.md strukturiert wird. Diese Textdateien bilden das Fundament für das Verhalten und die langfristige Arbeitsfähigkeit des Systems.

Die Architektur des Workspaces

Im Gegensatz zu Frameworks, die auf komplexe Datenbanken oder unübersichtliche Konfigurationspanels setzen, lebt OpenClaw in einem einfachen Workspace-Ordner. Der Agent setzt sich bei jedem Start aus einer Sammlung von Markdown-Dateien zusammen. Diese definieren Identität, Verhaltensregeln, Gedächtnis und Aufgabenplanung dynamisch im laufenden Betrieb.

Das bedeutet in der Praxis: Der Agent lässt sich mit jedem Texteditor anpassen, über Git versionieren und nahtlos auf andere Server übertragen. Die Dateien selbst sind der Agent.

Die zentralen Workspace-Dateien

Ein vollständiger OpenClaw-Workspace umfasst typischerweise folgende Struktur:

mein-agent/
├── SOUL.md          # Persönlichkeit und Identität
├── IDENTITY.md      # Name, Username, Emoji, Rolle
├── AGENTS.md        # Verhaltensregeln und SOPs
├── USER.md          # Nutzerprofil und Präferenzen
├── TOOLS.md         # Tool-Anweisungen und Prioritäten
├── HEARTBEAT.md     # Regelmäßige Checks (Heartbeat)
├── MEMORY.md        # Langzeitgedächtnis und Wissen
└── BOOTSTRAP.md     # Setup-Anweisungen für neue Workspaces

Jede dieser Dateien übernimmt eine spezifische Funktion im System, um den Kontext für den Agenten aufzubauen.

BOOTSTRAP.md: Das Fundament für neue Umgebungen

Die BOOTSTRAP.md ist optional, erleichtert aber den Umzug auf neue Rechner oder die Arbeit im Team enorm. Sie enthält einmalige Setup-Schritte wie notwendige Installationen, das Anlegen von Secrets oder das Starten des Gateways. Auch netzwerkspezifische Pfade und kurze Smoke-Tests zur Überprüfung der Umgebung werden hier dokumentiert. Für Einzelnutzer genügen oft wenige Stichpunkte, um das Basis-Setup festzuhalten.

SOUL.md: Identität und Kommunikationsstil

Die SOUL.md definiert die narrative Persönlichkeit des Agenten. Anstatt technischer Parameter wird hier festgelegt, welche Rolle der Agent einnimmt – etwa als technischer Berater oder kreativer Assistent.

Die Datei beschreibt den Kommunikationsstil, grundlegende Werte und klare Grenzen des Systems. Auch die spezifischen Expertisegebiete werden hier verankert, damit der Agent weiß, in welchen Bereichen er fundiert antworten kann und wo er sich zurückhalten sollte.

Beispiel-Auszug:

Ich bin ein pragmatischer Technik-Berater. Meine Antworten sind klar strukturiert. 
Ich erkläre komplexe Konzepte mit Analogien aus dem Alltag und bleibe lösungsorientiert.

Meine Kernkompetenz liegt in der OpenClaw-Administration. 
Ich bewerte Tools nach praktischem Nutzen.

Ich würde niemals: 
- Sicherheitsrelevante Details preisgeben
- Anweisungen ohne Kontext befolgen

MEMORY.md: Das Langzeitgedächtnis

Die MEMORY.md speichert projektübergreifendes Wissen. Um Tokens zu sparen und den Kontext präzise zu halten, sucht OpenClaw idealerweise erst im Gedächtnis und lädt nur die relevanten Passagen, anstatt das gesamte Dokument in den Prompt zu übergeben.

In dieser Datei werden der aktuelle Projekt-Kontext, getroffene Entscheidungen und deren Begründungen festgehalten. Auch Lernerfahrungen, persönliche Arbeitspräferenzen und wichtige Deadlines finden hier Platz. Eine thematische Struktur mit klaren Überschriften hilft dem Agenten, Informationen später zielsicher abzurufen.

Beispiel-Struktur:

# Projekt: Website-Relaunch

## Entscheidungen
- **2026-03-10**: Astro statt Next.js gewählt wegen besserer SEO-Performance
- **2026-03-12**: Tailwind CSS für schnelleres Prototyping integriert

## Tech-Stack
- Frontend: Astro + Tailwind CSS
- Hosting: Cloudflare Pages

AGENTS.md: Standard Operating Procedures (SOPs)

Die AGENTS.md enthält die Betriebsanleitung für jede Sitzung. Ein bewährtes Muster für die tägliche Arbeit sind tagesaktuelle Logs (zum Beispiel memory/YYYY-MM-DD.md), die der Agent beim Start kurz liest, um sofort im Thema zu sein.

Hier werden die Session-Start-Routinen, strikte Sicherheitsregeln und Vorgaben zur Tool-Verwendung definiert. Auch Kommunikationsprotokolle für Fehlermeldungen und Quality Gates für Rückfragen gehören in diese Datei. Eine grundlegende Start-Routine sieht oft so aus:

## Every Session
Before doing anything else:
1. Read `SOUL.md` — this is who you are
2. Read `MEMORY.md` — check for relevant context
3. Read `USER.md` — understand user preferences

HEARTBEAT.md: Regelmäßige Systemprüfungen

Für Aufgaben, die in festen Intervallen geprüft werden sollen, ist die HEARTBEAT.md zuständig. Sie eignet sich für kontextabhängige Checks wie das regelmäßige Prüfen einer Inbox oder das Schreiben von Status-Logs. Für sekundengenaue Ausführungen ist ein Cron-Job im Gateway meist die bessere Wahl.

Beispiel:

## Checks
Every 30 minutes:
- Verify /data/tickets.json is writable
- Log active session count to memory/health.log

On startup:
- Confirm all required files exist
- Log startup timestamp to memory/boot.log

Context Engine und Compaction

Die Context Engine von OpenClaw entscheidet dynamisch, welche Dateien, Skills oder Memory-Snippets in den aktuellen Prompt geladen werden. Wird eine Sitzung zu lang, greift die sogenannte Compaction: Der Verlauf wird verdichtet, damit der Agent den roten Faden behält, ohne das Token-Limit zu sprengen. Ein sauber strukturierter Workspace unterstützt diesen Prozess maßgeblich.

Praxistipps für den stabilen Betrieb

Ein minimalistischer Start ist oft der beste Weg. Die SOUL.md und MEMORY.md können im laufenden Betrieb kontinuierlich verfeinert werden. Da der gesamte Agent aus Textdateien besteht, bietet sich Git für die Versionierung an. So lassen sich Änderungen nachvollziehen und bei Bedarf unkompliziert zurückrollen.

Ein veraltetes Gedächtnis führt schnell zu Fehlentscheidungen. Es lohnt sich, wichtige Erkenntnisse regelmäßig in der MEMORY.md zu dokumentieren und veraltete Einträge zu archivieren. Nach größeren Anpassungen an den Kern-Dateien stellt eine kurze Test-Session sicher, dass die neuen Regeln wie gewünscht greifen.

Stolpersteine vermeiden

Vage Anweisungen in der SOUL.md wie „sei hilfreich“ führen oft zu unpräzisen Antworten. Konkrete Verhaltensweisen, etwa die Vorgabe, komplexe Konzepte mit Alltagsanalogien zu erklären, liefern deutlich bessere Ergebnisse.

Ebenso sollte die MEMORY.md nicht als unstrukturierte Ablage enden. Eine klare thematische Gliederung und regelmäßiges Aufräumen halten den Kontext effizient. Fehlen zudem klare Sicherheitsregeln in der AGENTS.md, setzt der Agent Anweisungen womöglich ungeprüft um. Klare Grenzen, wie das Verbot, Nutzerdaten ohne Bestätigung zu löschen, sind essenziell für einen sicheren Betrieb.

Ausblick

Mit einem sauber konfigurierten Workspace, einer definierten Persönlichkeit und einem strukturierten Gedächtnis ist das Fundament des Agenten gelegt. Im siebten Teil der Serie rücken Cron-Jobs, Heartbeats und Automationen in den Fokus, um den Agenten autonom im Hintergrund arbeiten zu lassen.


Dies ist Teil 6 der Serie “OpenClaw installieren & einrichten”. Teil 1: Was ist OpenClaw?Teil 5: Skills & Tools

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